Labdanum bzw. Ladanum – Harz der Zistrosen

Bei Labdanum (man liest häufig auch Ladanum) handelt es sich um ein Harz, das aus der Zistrose gewonnen wird. Bei einigen Zistrose-Arten tritt im Sommer unter Sonneneinwirkung ein öliges Harz aus den Blättern und Zweigen aus. Es macht dann den Anschein, als würde die Pflanze schwitzen. Dieses Harz kann dann zu Labdanum weiter verarbeitet werden.

Der Geruch von Labdanum wird, wenn es sich um das Harz der Cistus ladaniferus handelt, als warm, süßharzig, holziger Geruch beschrieben. Das Harz hat die Farbe von Bernstein bzw. braun. Labdanum ist eine klassische Zutat in der Parfümerie.

Labdanum hat eine lange Geschichte der Verwendung in der Kräutermedizin aber auch als Zutat von Parfüm.

Weitere Namen für Labdanum sind Ladanum und auch ladan oder ladanon. Man sollte Labdanum nicht mit Laudanum, einer Opiumtinktur, verwechseln. Allerdings lässt sich aus Zistrose ebenfalls eine Tinktur herstellen. Diese hat aber auch nichts mit Laudanum gemein.

Labdanum – Bezeichnung für klebriges Kraut

Die Bezeichnung Labdanum stammt dabei aus dem syrisch-phönizischen Sprachraum. Denn hier hieß die Zistrose Ladan, das bedeutet so viel wie klebriges Kraut. Und klebrig ist die Zistrose ja, wenn das ölige Harz ausgetreten ist. Das Labdanum wurde bereits in der Antike in der Schönheitspflege eingesetzt, aber auch die Wirkung von Zistrosen und ihrem Harz als Heilmittel waren bekannt.

Keltische Zistrose als Quelle für Labdanum

Schon in der Antike war es das Harz der Kretischen Zistrose (Cistus creticus), das Anwendung fand. Der griechische Gelehrte Pedanios Dioskurides (griechischer Arzt im 1. Jahrhundert, berühmtester Pharmakologe des Altertums) beschrieb dabei, wie das Harz gesammelt wurde. Und zwar trieben Hirten ihre Tiere in das dichte Buschwerk hinein. Dabei blieben die Harzklümpchen der Zistrosen im Fell der Tiere hängen. Anschließend konnten die Hirten die Harzklümpchen ganz einfach aus dem Fell herauskämmen. Eine andere Methode war Stricke oder dünne Lederriemen durch die Büsche zu ziehen, so dass das Harz daran hängen blieb. Es gab einen Labdanum-Sammler (lambadistrion), eine Art Rake mit doppelten Reihen von dünnen Lederschnüren, um damit das Harz von den Sträuchern zu fegen.

Die Hirten sammelten das Harz aus ihren Tieren auf oder mit dem Lambadistrion ein und verkauften es dann in den Seehäfen. Verwendet wurde das Harz als Zutat für Weihrauch aber auch für medizinische Zwecke. Auch in der Parfümerie war es später begehrt. Schon in der Antike fand das Labdanum Einsatz bei Erkältungen, Husten, Rheumatismus und Menstruationsbeschwerden.

Im alten Ägypten sollen die falschen Ziegenhaar-Bärte der Pharaonen mit Labdanum imprägniert. Schon im Altertum wurde auf Zypern Labdanum mit Styrax und Calmusöl gemischt. Von dem Duft sollen die Kreuzfahrer, die Zypern im späteren Mittelalter während der Kreuzzüge eroberten, so begeistert gewesen sein, dass sie das Rezept im restlichen Europa verbreiteten.

Und das geheimnisvolle Onycha (hier in der Übersetzung stakte), eine Zutat im heiligen Weihrauch (Ketoret), das im Alten Testament erwähnt wurde, könnte, so glauben einige Gelehrte, Labdanum gewesen sein. Erwähnt wird dieses Ketoret in Exodus 30: 34-36.

Das Kapitel 30 beschäftigt sich mit dem Räucheraltar, den Gott Moses aufträgt zu bauen. In den Sätzen 34 bis 36 heißt es dann:

34 Und der HERR sprach zu Mose: Nimm dir Spezerei: Balsam, Stakte, Galbanum und reinen Weihrauch, vom einen so viel wie vom andern, 35 und mache Räucherwerk daraus, gemengt nach der Kunst des Salbenbereiters, gesalzen, rein, zum heiligen Gebrauch. 36 Und du sollst es zu Pulver stoßen und sollst etwas davon vor die Lade mit dem Gesetz in der Stiftshütte bringen, wo ich dir begegnen werde. Es soll euch ein Hochheiliges sein. (Exodus 30: 34-36)

Keltische Zistrose wird heute noch als Grundlage für den Zistrosetee genutzt.

Gewinnung von Labdanum heute

Heute ist es nicht mehr die keltische Zistrose, sondern die Lack Zistrose (Cistus ladanifer), aus der Labdanum gewonnen wird. Denn die Lack-Zistrose produziert bedeutend mehr Harz als andere Arten. Die Lackzistrose ist vor allem im westlichen Mittelmeergebiet (Südfrankreich, Spanien, Portugal und Marokko) heimisch. Und so hat sich die Labdanum Produktion inzwischen überwiegend auf Spanien konzentriert.

Wichtige Produktionsstätten für Labdanum sind heute neben Spanien aber auch Portugal und das Esterel Gebirge in Südfrankreich. Außerdem wird das Harz auch auf Zypern und Kreta gewonnen. Die Zeiten in denen Labdanum aus dem Fell von Tieren gesammelt wurde, ist dabei aber vorbei. Um das rohe Labdanum-Gummi zu erhalten, werden die geschnittenen Zistrose-Pflanzen in heißem alkalischem Wasser behandelt und so der harzartige Stoff und die öligen Teile aus der Pflanze separiert.

Labdanum in der Bibel

Labdanum wird bereits in der Bibel erwähnt.

In Genesis 37, 25 heißt es: (Gen 37,25 EU, Gen 43,11 EU):

Als sie dann beim Essen saßen und aufblickten, sahen sie, dass gerade eine Karawane von Ismaelitern aus Gilead kam. Ihre Kamele waren mit Tragakant, Mastix und Ladanum beladen. Sie waren unterwegs nach Ägypten.

(Kapitel 37 im Buch Genesis beschäftigt sich mit den Söhnen Jakobs, Josef und seine Brüder).

Und in Genesis 43,11 (Gen 43,11 EU):

Da sagte ihr Vater Israel zu ihnen: Wenn es schon sein muss, dann macht es so: Nehmt von den besten Erzeugnissen des Landes in eurem Gepäck mit und überbringt es dem Mann als Geschenk: etwas Mastix, etwas Honig, Tragakant und Ladanum, Pistazien und Mandeln.

Dieses Kapitel handelt von der zweiten Reise der Brüder Josefs nach Ägypten.

Quelle für die Bibelzitate